Über die Bauentwurfslehre

Die Geschichte der Bauentwurfslehre ist auch eine Geschichte Ihrer Kritiker. Und die waren beeindruckt:

„Als Professor Ernst Neuferts Bauentwurfslehre im März 1936 erstmalig erschien, war sie innerhalb von drei Wochen ausverkauft und wurde bereits drei Monate später in zweiter Auflage herausgegeben. Warum wurde dieses Buch so gierig vom Markt aufgesogen, und wieso erschien es bis heute dank ungeminderter Nachfrage in 33 Auflagen und 13 Übersetzungen? Wie wurde es zu einem der meistübersetzten und meistkonsultierten Fachbücher der Welt?“

Dies fragte die FAZ zum Erscheinen der 33. Auflage der BEL und lieferte natürlich die Antwort auf dem Fuße:

„Der Neufert nimmt dem Architekten die Angst vor dem leeren Blatt!“

und:

„Als konsequenter Systematiker und Rationalisierer, der Neufert Zeit seines Lebens war, hätte er es nicht ertragen, einmal gemachte Erfahrungen wieder neu machen zu müssen und bisherige Vorarbeiten nicht wieder verwenden zu können oder nicht für andere verwendbar zu machen; und was einmal gemessen und registriert worden war, musste nicht wiederholt werden. Es wurde gesammelt mit dem Ziel, das Ergebnis allen Architekten und Planenden zugänglich zu machen und die Berufskollegen in die Lage zu versetzen, den Neufertschen Rationalisierungseffekt für sich zu nutzen.

Soweit die FAZ 1995, aus Anlass des 95. Geburtstages von Ernst Neufert.

Immer wieder wurde die investierte Arbeit bewundert:

„Die Bauentwurfslehre, vom Verfasser Ernst Neufert im Jahre 1936 vollendet und 1980 für die 30. Auflage zum letzen Male persönlich überarbeitet, musste nach dessen Ableben angesichts der rasanten Entwicklung der modernen Wissenschaft und Technik, des Umwelt-, Formen- und Anspruchsbewusstseins von Planern und Nutzern völlig neu erarbeitet werden.“ (Tunnel)

„Die hoch entwickelte Welt des Bauens stellt heute andere Anforderungen an die Bauschaffenden, als sie zur Zeit der ersten Auflage dieses Buches Gültigkeit hatten. Für eine durchgreifende, dem Stand der Dinge entsprechende Bauentwurfslehre galt es, die geniale Form des Werkes zu erhalten, den Inhalt jedoch im Hinblick auf die Erwartungen der Praktiker wie der Studierenden und nicht zuletzt auch der Bauherren konsequent zu erneuern.
Die 33. Auflage dieses weltweit anerkannten Standardwerks kann mit Recht als wirkliche Neuausgabe bezeichnet werden. Es blieb keine Seite des Buches in ihrer bisherigen Gestalt erhalten.“ (Technische Mitteilungen)

Und so empfiehlt die Kritik auch gerne ...

„Der ‚Neufert’, durch ständige Überarbeitung und Aktualisierung ‚jung’ gehalten, ist nach wie vor dem Architekten-Nachwuchs zu empfehlen“ (A.B. - Archiv des Badewesens)

Dieses seit vielen Jahrzehnten anerkannte Standardwerk ist für Architekten und Bauplaner wesentliche Arbeitgrundlage für die Bauausführungsplanung und erleichtert Architekturstudenten den Einstieg in die Materie.“ (Technische Mitteilungen)

 
Die Kritik war aber auch: amüsiert.

Die z.T. unfreiwillige Komik, die sich in der scheinbar unnötigen Beschreibung der "Gesamthöhe des belgischen Riesen bei aufgestelltem Ohr" (40! cm – für einen Hasen wirklich beachtlich) einstellte, wurde im Laufe der Jahre zum Markenzeichen.

Unter der Überschrift „Bewährte Skurrilitäten“ listete Katrin Voermanek im baunetz.de zur 35. Auflage der BEL die wichtigsten Fundstellen sorgfältig auf:

„Keine Sorge, natürlich ist nicht alles neu am Neufert. Auch die aktuelle Auflage informiert über die Maßverhältnisse im angenäherten Siebeneck, Gesundheitsschäden durch Überlagerung von ‚Globalgitterkreuzung und Wasserader’ [...] und den Umgang mit dem Brombeerrankgerüst: (‚nach der Ernte auf 5-8 Ruten zurückschneiden’).“

Zitate aus folgenden Rezensionsbelegen:

FAZ, 03.04.1995, Nr. 79; Baunetz.de 2/2000;

Tunnel, Ausg. Nr. 2, S. 80, 1993;

BmK Bauen mit Kunststoffen und neuen Baustoffen, Heft 2/93, 1993;

Technische Mitteilungen, Jg. 89, Heft 1, S. 53, März 1996;

A.B. – Archiv des Badewesens, Jg. 46, Nr. 2, S. 80, 1993