Stipendiatin Carolin Fickinger

INTENSE:SCAPES

Basierend auf Bestandskarten des Bodensees, die die aussergewöhnliche Rolle
des Rheindeltas als offenes Gebiet entlang einer bebauten Küste und als grösstes Naturschutzgebiet im Gebiet des Bodensees belegen, wird diebenötigte Rheinumlenkung genutzt, um eine einzigartige Landschaft zu schaffen.
Wechselnde Jahreszeiten und Habitate, die Kraft der Gezeiten (des Bodensees und des Rheins) und eine sich aufgrund der Sedimentation und Erosion ständig wandelnde Topographie erlauben eine unmittelbare Naturerfahrung. Um eine funktionale Basis zu bilden, wird die Rheinumlenkung als eine Schwelle aus Jahreszeitlich schwankenden Wassersituationen um das existierende Kleinseggenried bilden und so die Vielfalt der Vegetation und Tierwelt erhalten und vergrössern. Als Überflutungsfläche für Rhein und Bodensee hilft es Flutschäden entlang der Küste des Bodensees wie auch im Alpenrheingebiet zu verhindern, und dient gleichzeitig als Sedimentfalle. Kosten für die Trinkwassergewinnung aus dem Bodensee können minimiert werden und der bestehende politische Konflikt zwischen Österreich und Deutschland ist entschärft.
Gleichzeitig wirkt es als Grenze und 'Umlenkung' der Besiedelung, die Zersiedelung wird blockiert und Neusiedelung entlang der Agglomeration Bregenz – St.Margrethen – Dornbirn and Feldkirch wird gefördert. Der Neue Rhein wird als Ganzes umgleitet und in ein flexibleres Bett verlegt, sobald die besiedelten Zonen verlassen sind, ist er befreit; das Zusammenspiel zwischen Bodensee und Rhein ist wieder hergestellt und zum möglichen Maximum gesteigert, was einen neuen Bezug zum Wasser herstellt: die Kräfte der Gezeiten sind hervorgehoben und ablesbar.
Da es keine räumlichen Strukturen oder klare Regularien gibt, ist jeder, der den Aufwand auf sich nehmen will, eingeladen, seine eigenen Aktivitäten zu schaffen. Es gibt keinerlei Infrastruktur wie unterhaltene Wege oder Elektrizität, man kann jedoch mit dem Ruderboot durch die Wasserarme paddeln oder durch die schlafenden Flussarme waten oder sich auf Trampelpfaden durch das Gebüsch schlagen. Dank der Grösse des 'wilden' Gebietes ist kein Schaden des gesamten Systems zu befürchten.
Die Nähe zu den umliegenden Dörfern erlaubt den Bewohnern, von der Einzigartigkeit zu profitieren, Kinder können am Wasser spielen, lernen die Natur kennen. Für Touristen wird die Infrastruktur so überarbeitet, dass die Orientierung im Delta eindeutig ist und das Rheinbett wird zum Anziehungspunkt überregional.